Von 1708: Haus Schwenger aus Rheda mit dem angebauten Fotoatelier Kuper aus Rietberg
Diesmal gelingt es den aktuellen "Stars" unter den Objekten im Freilichtmuseum, geradezu städtisches Gepräge ins so genannte "Paderborner Dorf" zu bringen: ein weiß leuchtendes Bürgerhaus mit Tageslicht-Fotoatelier wird ab Juni 2010 für eine besondere Bereicherung sorgen.
Grundsätzlich verfügen zwar alle historischen Gebäude im LWL-Freilichtmuseum Detmold über eine lebhafte Geschichte, die sich in der Regel über etliche Jahrhunderte erstreckt. Seit der Übernahme des repräsentativen Bürgerhauses Schwenger aus dem heutigen Rheda-Wiedenbrück (Kreis Rietberg) sind inzwischen etwa vier Jahrzehnte vergangen, in denen das LWL-Freilichtmuseum bei Verwahrung, Planungs- und Restaurierungsarbeiten einen ge-eigneten Standort und eine besucher-orientierte Nutzung gefunden hat. "Wirkt dies zunächst wie ein langer Zeitraum, schrumpft dieser angesichts der mehr als 300 Jahre währenden Historie des Hauses zur Randnotiz. 1708 vom Rhedaer Kaufmann Daniel Schwenger er-worben, befand sich um 1900 in dem Haus nicht nur ein Ladenlokal, sondern möglicherweise sogar die allererste Filiale der Rhedaer Sparkasse", so Museumsleiter Dr. Jan Carstensen.
Seit vielen Jahrzehnten besitzt das LWL-Freilichtmuseum eine umfangreiche Sammlung historischer Läden. Zahlreiche originale Gegenstände und Handelswaren aus dem Laden Samson aus Atteln, der 1990 in den Besitz des Museums überging, sind gleich in Eingangsnähe im Bürgerhaus aus Rheda zu besichtigen. Die Einrichtung des Ladens befand sich bei der Übernahme durch das Freilichtmuseum noch im ursprünglichen Zustand von 1898. Die Epoche um 1900 ist eine Zeit, an der sich die gesamte Darstellung der Gebäude im Pader-borner Dorf orientiert.
Als einzigartiger Glücksfall für das Freilichtmuseum erwies sich die Entdeckung eines historischen Fotoateliers aus Rietberg (Kreis Gütersloh). 1891 vom Fotografen Josef Kuper erbaut, entstammt das Gebäude einer Ära, in der Fotografen ihre Ateliers noch mit weitläufigen Glasflächen ausstatten mussten, um die Arbeitsräume mit den notwendigen Lichtverhältnissen zu versorgen. Im Jahr 2000 hat der LWL das Fotoatelier aus Rietberg nach Detmold überführt. Seit 2009 wurde es im Frei-lichtmuseum an die Rückseite des Rhedaer Bürgerhauses angebaut. Am ursprünglichen Standort diente es als hofseitige Ergänzung eines Wohn- und Geschäftshauses aus dem 17. Jahrhundert. Vom Erbauer des Rietberger Ateliers, der dort bis 1903 tätig war, und seinen Nachfolgern, die bis etwa 1960 in dem Atelier arbeiteten, besitzt das Museum außerdem ein umfangreiches Archiv an historischen Glasnegativen. Sowohl die Grundstrukturen als auch die Bewohnergeschichten der beiden Gebäude ähneln einander sehr. Als gemeinsamer Schauplatz zur Geschichte der Fotografie in Westfalen bieten sie einen reizvollen, weiteren Anziehungspunkt im "Paderborner Dorf".
Fotografie in Westfalen Die Anfänge der Fotografie liegen im 19. Jahrhundert. Seit 1839 stand mit der Daguerreotypie erstmals ein technisches Verfahren zur Verfügung, mit Hilfe des Lichts exakte Abbilder von Men-schen, Gebäuden und Landschaften herzustellen. Wenige Jahre später entstanden erste fotografische Ateliers in größeren Städten. Bereits 1842 gründete Friedrich Hundt das erste Fotoatelier Westfalens in Münster. Oft waren es technisch interessierte Handwerker, die sich für das neue Medium Fotografie interessierten. Sie zogen als Wanderfotografen durch die Lande; nach etwa 1870 ließen sich auch in Kleinstädten die ersten Fotografen nieder. Um vor der Witterung geschützt arbeiten zu können, ließ man sich im 19. Jahrhundert verglaste Tageslichtateliers bauen. Heute, im Zeitalter der digitalen Fotografie, hat sich das Handwerk des Fotografen grundlegend gewandelt. Analoge Fotografie mit Glasplatten- oder Filmnegativen und chemischen Entwicklungsverfahren gehören inzwischen der Vergangenheit an. Diese Techniken können künftig interessierte Besucher im Freilichtmuseum in Work-shops im Haus Schwenger erproben.
Quelle: Pressemeldung Landschaftsverband Westfalen-Lippe
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