Senckenberg-Tiefseeausstellung startet im Dezember

14.11.2008 | Frankfurt am Main
Einzigartiges Konzept wird auf 1000 qm in neuer Halle umgesetzt / "Rückseite des Mondes scheinbar besser bekannt als die Tiefsee"

"Mit der neuen Sonderausstellungshalle wird ein Traum wahr, den schon viele Generationen von Senckenberg-Mitarbeitern vor Augen hatten", so Dr. Bernd Herkner anlässlich des Richtfestes der neuen Halle hinter dem Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt. Der Museumsleiter des Senckenberg freut sich auf die am 19. Dezember 2008 beginnende Tiefsee-Ausstellung (www.tiefsee.senckenberg.de) des Naturmuseums. Bis sich die Besucher auf rund 1000 qm und zwei Ebenen in der eigens dafür entstehenden Ausstellungshalle (Holzkonstruktion mit Flachdach, L: 27 m, B: 18 m, H: 10 m) interaktiv auf die Reise durch das größte Ökosystem der Erde zu einem verborgenen Reich der Dunkelheit, frostiger Kälte und unvorstellbarem Druck begeben, das voller Leben und Rätsel ist, müssen noch viele Vorbereitungen getroffen werden. Schließlich soll die Ausstellung rund um Pottwal, Anglerfisch und Co. mit Tauchkugel und begehbarem Tauchboot ein Besuchermagnet und ein Aushängeschild für das Rhein-Main- Gebiet mit deutschlandweiter Bedeutung werden. Die sehr seltenen Exponate des Partnerprojektes mit dem Naturhistorischen Museum in Basel stammen zum größten Teil von Expeditionen der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft. "Durch die Ausstellung können wir auf die weltweiten Forschungsprojekte der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft hinweisen. Sie macht unsere Forschungsarbeit transparent. Zudem zeigt die Ausstellung die Biodiversität in diesem Lebensraum und ihre fortschreitende Bedrohung," so Dr. Bernd Herkner, Senckenberg-Museumsleiter und Projektleiter der Tiefseeausstellung. "Die Tiefsee-Ausstellung mit dem neuen Gebäude, das anschließend auch für weitere Ausstellungen von uns genutzt wird, stellt den Startschuss für ein neues Ausstellungskonzept des Senckenberg Naturmuseums dar: Wissenschaft entdecken, erforschen, erleben." Geplant sind jährlich zwei große Sonderausstellungen, die Themen wie Evolution, Biodiversität, die verschiedenen Lebensräume, den globalen Klimawandel und die großen gesellschaftlichen Herausforderungen zum Thema haben werden. Der Zuschauer kann in den Ausstellungen in die Naturforschung eintauchen und ihre die Relevanz für die Zukunft der Menschheit erleben. Die Tiefsee ist wohl der Bereich unseres Planeten, der - weil weitgehend unerforscht - eine große Faszination ausübt. Normalerweise kennen wir vom Meer nur die obersten Schichten der riesigen Oberfläche. Allein das offene Meer nimmt zwei Drittel der Erdoberfläche ein. Seine durchschnittliche Wassertiefe beträgt 3800 Meter. Davon nimmt die Tiefsee den überwiegenden Teil ein. Die Tiefsee ist zwar mit Abstand der größte Lebensraum der Erde, bisher wurden aber gerade mal einige Quadratkilometer des Meeresbodens von U-Booten oder Unterwasserrobotern abgesucht. Bodenproben sind erst von wenigen Punkten bekannt. Auch der offene Ozean ist kaum erforscht. "Offensichtlich ist selbst die Rückseite des Mondes besser bekannt als die Tiefsee", so Museumsleiter Dr. Bernd Herkner. Rund 200 Meter unterhalb der Meeresoberfläche beginnt das Reich der Tiefsee. Die tiefste Stelle liegt im Marianengraben im Pazifischen Ozean und beträgt 11.000 Meter. Im Vergleich: Der Mount Everest erhebt sich nur 8.848 Meter über die Meeresoberfläche. Der Mittelozeanische Rücken ist die längste Gebirgskette unter dem Meer. Sie erstreckt sich über 60.000 Kilometer, vom Atlantik über den Indischen Ozean zum Pazifik. Dass heute langsam Licht in die unendlichen Tiefen kommt, ist auch ein Verdienst der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft. Ihre Wissenschaftler sind regelmäßig auf den drei deutschen Forschungsschiffen Meteor, Polarstern und Sonne unterwegs. Das Museum ist quasi ein Spiegel zur Welt der Wissenschaft. Er zeigt, was die Senckenberg-Forscher auf ihren langen Reisen über die - und vor allem in alle Weltmeere entdeckten. Und damit die Grundlage für eine faszinierende Ausstellung schufen, die den Besucher einlädt, das Erlebnis der Wissenschaftler bei der Erforschung der Tiefsee nachzuempfinden. Unerforschte Tiefen Ursprünglich nahmen die Seefahrer im 19. Jahrhundert an, dass das Meer unendlich tief und unergründlich ist. Für sie war hauptsächlich die Bestimmung der Wassertiefe im Küstenbereich wichtig, um nicht auf Grund zu laufen. Die Tiefe des offenen Ozeans war für sie nicht interessant. Noch 1870 wusste man so gut wie nichts über die Tiefsee. Wie tief sind die Ozeane? Wie verlaufen die Strömungen in den Tiefen? Woraus besteht der Meeresboden? Gibt es Leben in allen Tiefen? Gibt es lebende Fossilien in der Tiefsee? Große Erkenntnisse gewann man von der Forschungsreise des britischen Segelschiffs H.M.S. Challenger (1873-76). Sie gilt als Beginn der wissenschaftlichen Erforschung der Tiefsee. Zu den bedeutendsten gehörte die deutsche Tiefsee-Expedition "Valdivia" von 1898 bis 1899. Das Material, welches damals gesammelt wurde, ist auch heute noch für die Wissenschaft wertvoll. In der Tiefsee-Ausstellung des Senckenberg Naturmuseums werden verschiedene Originalobjekte der berühmten Valdivia-Expedition gezeigt. Heute dienen moderne Tauchboote und ferngesteuerte Tauchroboter zur Erforschung der Tiefsee.

Quelle: Pressemeldung Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft

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