Neues Exponat in Mittelalterausstellung
Seit Anfang der Woche (ab 12.7.) ist eine der ältesten und für die Ausstellung "Aufruhr 1225!" bedeutsamsten Urkunden im LWL-Museum für Archäologie in Herne zu sehen: ein Pergament mit Fälschungen, das vermutlich ein Auslöser für die dramatischen Ereignisse war, die am 7. November 1225 Engelbert I., Erzbischof von Köln das Leben kosteten.
Die so genannte Privilegienbestätigung Heinrichs des Zweiten an das Stift Essen entstand im Jahr 1003 und ist damit die älteste Urkunde der Ausstellung. Wer genau hinschaut - oder es sich in einer Führung zeigen lässt - kann es entdecken: ein Teil der Urkunde wurde in späterer Zeit ergänzt. Die Fürstabtissin Adelheid von Essen hatte im 13. Jahrhundert die Urkunde nach ihren Vorstellungen verändert und neue Inhalte hinzugefügt - aus heutiger Sicht also das Dokument gefälscht.
Mit diesem Eingriff in die Originalurkunde wollte Adelheid zum wiederholten Mal die eigene Machtstellung gegenüber ihrem Vogt, Friedrich von Isenberg, behaupten. Dr. Stefan Leenen, wissenschaftlicher Projektleiter der Sonderausstellung "Aufruhr 1225! Ritter, Burgen und Intrigen": "Damit verschärft Adelheid von Essen noch die Manipulation, die sie bereits an einer Vorgänger-Urkunde vorgenommen hatte. Die Rechte Ihres Vogtes Friedrich von Isenberg werden immer weiter eingeschränkt - und verweisen seinen Machtbereich nun gänzlich vor die Stadttore Essens".
Denn auch in der sogenannten Gründungsurkunde hatte Adelheid von Essen eingegriffen und versucht, Friedrich von Isenbergs Rechte zu beschneiden. Der Kampf um die Rechte am Essener Damenstift. Zusammen mit sechs anderen Exponaten hat die Gründungsurkunde das Museums des Landschaftsverbanders Westfalen-Lippe (LWL) in Herne verlassen und kehrt ins Landesarchiv Düsseldorf zurück. Grund: Die wertvollen Exponate dürfen nur wenige Wochen im Jahr gezeigt werden, denn trotz der guten Bedingungen im Museum ist die Lichteinstrahlung eine Belastung für die empfindlichen Objekte.
"Aufruhr 1225" ist die größte Mittelalterausstellung, die es bisher im Ruhrgebiet gegeben hat: Bis zum 28. November erwartet der LWL in der Schau, ein Projekt von RUHR.2010, mindestens 80.000 Besucher.
Auf einer Ausstellungsfläche von 1.500 Quadratmetern inszeniert das LWL-Museum für Archäologie eine Spurensuche nach den Überresten dieser Zeit in der heute vollkommen verwandelten Landschaft an Ruhr, Emscher, Lippe und Rhein. Etwa 1.000 Ausstellungsstücke wie Waffen, Rüstungen, goldene Reliquiare oder Kochgeschirr sowie Nachbildungen zum Anfassen und Ausprobieren zeigen, wie die Menschen im 13. Jahrhundert lebten.
Die Ausstellung gibt eine Übersicht der mehr als 400 Burgen, die es zwischen Emscher und Ruhr gegeben hat. Das heutige Ruhrgebiet weist eine der höchsten Burgendichten Europas auf. Auch das Entstehen mehrerer benachbarter Zentren, das die Ruhrregion bis heute prägt, ist nach der Überzeugung der Ausstellungsmacher letztlich auf die Ermordung des Kölner Erzbischofs Engelbert im Jahr 1225 zurückzuführen
Quelle: Pressemeldung Landschaftsverband Westfalen-Lippe
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