In Neustadt zu Gast

16.06.2010 | Neustadt
Die Ausstellung des zweiten, bundesweit ausgelobten Architekturpreises Wein, der Ende März in Stuttgart verliehen wurde, ist bis zum 2. Juli 2010 in der Sparkasse Rhein-Haardt in Neustadt zu sehen.

Anlässlich der gestrigen Eröffnung sprachen die Landrätin Sabine Röhl, der Vizepräsident der Architektenkammer Ernst Wolfgang Eichler und als Gastgeber Leiter des Firmenkundencenters Neustadt, Torsten Eckhardt von der gelungenen Symbiose zweier, auf den ersten Blick ganz unterschiedlicher Professionen: Der Architektur und dem Weinbau.

"Wein + Architektur ist als Thema in der Öffentlichkeit angekommen. Immer mehr Winzer schaffen mit anspruchsvoller Architektur ein der Qualität ihrer Weine angemessenes Umfeld für Präsentationen und Degustationen. Weinliebhaber wollen Genuss von Anfang an und erwarten ein entsprechendes Ambiente bei ihrem Besuch der Weingüter," so Vizepräsident Eichler in seinem Statement.

Zuvor begrüßte Torsten Eckhardt die Ausstellung in der Kundenhalle der Sparkassenfiliale Schütt. Für die Weinbau-Sparkasse sei es Ehre, ihren Besuchern eine solche Ausstellung mit beeindruckenden Beispielen gelungener Weinbau-Architektur zeigen zu können.

Der zweite Architekturpreis Wein wurde bundesweit vom rheinland-pfälzischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, dem Deutschen Weinbauverband und der Architektenkammer Rheinland-Pfalz ausgelobt. Rheinland-Pfalz war im Wettbewerb überaus erfolgreich. "Weinkultur braucht Baukultur", so fasste Ernst Wolfgang Eichler , Vizepräsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz das Ergebnis der zweiten Auflage des Architekturpreises Wein zusammen: "Denn gekauft wird inzwischen mehr als nur Wein: Das umfassende sinnliche Erleben und ein Qualitätsversprechen, das sich schon im Erscheinungsbild des Weingutes selbst manifestiert, sind starke Anreize für Weinfreunde, deren Maxime nicht in erster Linie der Preis ist. Gerade viele junge Winzerinnen und Winzer setzen deshalb auf Wein-Bau-Kultur." Wesentlich sei aber auch die Pflege der Kulturlandschaft. Gerade bei Baumaßnahmen im Außenbereich seien hohe Anforderungen an Gebäudegestaltung und der Einbindung in die Landschaft zu garantieren. Dieser Aspekt, wo es um baurechtliche Entscheidungen von Gemeinden gehe, werde leider noch vernachlässigt. Ansprüche, die sich an Winzerhöfe und Dorfkerne richteten, seien auch z.B. bei Hallen im Außenbereich wegen deren "Weitwirkung" umzusetzen.

Landrätin Sabine Röhl nahm den Ball bereitwillig auf. Überzeugend seien am Ende immer gute Beispiele. Deshalb freute sie sich, dass die Ausstellung "Architekturpreis Wein 2010" in Neustadt gezeigt wird - insbesondere deshalb, weil immerhin sechs rheinland-pfälzische Gebäude und ein Architekturbüro aus Neustadt in der Auswahl der besten gezeigt werden.

Weinbau und Architektur, so Röhl weiter, seien geborene Partner, besonders in Rheinland-Pfalz, Deutschlands Weinland Nummer 1. "Weinbau und Architektur haben vieles gemeinsam - beide schaffen Kulturgüter und sind Wirtschaftsfaktoren. Weine und Bauten stehen für Individualität und Authentizität, für solides Handwerk und kreatives Ausprobieren." Architektur ist inzwischen zu einem der wichtigen Marketing-Instrumente in der Weinwirtschaft geworden."

Aus dem neustädter Architekturbüro Friess + Moster berichtete die Projektarchitektin Angela Schwandner vom Bau des Steinbergkellers in Eltville. Friess + Moster hatten den Planungsauftrag für die hessischen Staatsweingüter als siegreiches Büro in einem Architektenwettbewerb erhalten. Die besondere Herausforderung des neuen Kellers und der Vinothek waren die riesigen unterirdischen Bauvolumen in unmittelbarer Nähe zu der seit dem 11. Jahrhundert ununterbrochen bewirtschafteten Lage "Steinberg". Friess + Moster hatten mit dem Steinbergkeller in Eltville einen von fünf Architekturpreisen Wein 2010 erhalten. Die Ergänzung des Lubentiushofes in Niederfell an der Untermosel - ebenfalls einers der preisgekrönten Projekte - erläuterte Architekt Hessel aus Andernach.

Die Verleihung des Preises, dessen Ausstellung nun nach Stuttgart, München und Weinsberg nun in Neustadt gezeigt wird, war Ende März im Rahmen der internationalen Technologiemesse für Wein, Obst und Fruchtsaft INTERVITIS INTERFRUCTA in Stuttgart feierlich verliehen worden. Ein Schwerpunkt der Messe und des zugehörigen internationalen IVIF-Kongresses war das Themenfeld Wein + Architektur.

Fünf Projekte wurden als Architekturpreise gleichrangig gewürdigt:

  • der Neubau des Kellereigebäudes am Steinberg in Eltville

(Architekten: Friess + Moster Architekten, Neustadt / Weinstraße, Landschaftsarchitekten: Die Landschaftsarchitekten, Bittkau-Bartfelder + Ingenieure, Wiesbaden; Innenarchitektur / Teilbereiche Empfang + Veranstaltung: Planungsbüro Wolfgang Münzing, Flein; Projektsteuerung: Schumann Projektsteuerung, Darmstadt. Bauherrin: Hessische Staatsweingüter GmbH, Kloster Eberbach, Eltville)

  • Vino Julius in Gundheim

(Architektin: Dipl.-Ing. (FH) Christiane Jeromin, raum & architektur, Bobenheim-Roxheim. Bauherr: Georg Julius, Gundheim)

  • die Vinothek der Weingärtnergenossenschaft Metzingen-Neuhausen e.G. in Metzingen

(Architekten: Klaffke Kornwinkel Müller Architekten, Metzingen. Bauherrin: Weingärtnergenossenschaft Metzingen-Neuhausen e.G.)

  • die WeinWerkstatt des Weingutes Lubentiushof in Niederfell

(Architekten: Hessel.Architekten, Andernach. Bauherren: Susanne und Andreas Barth, Niederfell) und

  • den Winzerhof Gierer in Nonnenhorn

(Architekten: mattes • sekiguchi partner architekten, Heilbronn; Bauleitung: Architekt Dipl.-Ing. (FH) Thomas Stoppel, Nonnenhorn. Bauherren: Josef und Renate Gierer, Nonnenhorn)

Eine Auszeichnung im Rahmen des Architekturpreises Wein erhielten sieben weitere Weinbaubetriebe:

  • Volkhardts Wein in München

(Architektur: tools off.architecture; Dipl.-Ing. (FH) Eva Durant, Architekt / Innenarchitekt Prof. Dipl.-Ing. (FH) Andreas Notter, München. Bauherr: Hotel Bayerischer Hof, München)

  • die Neugestaltung von Degustations- und Verkaufsraum im Rotweingut Jean Stodden in Rech / Ahr

(Architekt: Prof. Dipl.-Ing. Hans Jürgen Mertens, Bad Neuenahr-Ahrweiler. Bauherrin: Familie Jean Stodden, Rech / Ahr)

  • den Umbau und die Erweiterung des Kelterhauses mit Vorplatz, Garten und Hof des Weingutes Brennfleck in Sulzfeld

(Architekten: Dold + Versbach, Giebelstadt, Innenraumgestaltung: Dipl.-Ing. (FH) Jutta Burrlein, proform, Mainstockheim. Bauherren: Hugo und Susanne Brennfleck, Sulzfeld)

  • Becker"s Hotel und Restaurant in Trier-Olewig

(Architekten: Stein + Hemmes; Kasel. Bauherr: Wolfgang Becker, Trier)

  • das Weingut Holger Koch in Vogtsburg-Bickensohl

(Architekten/Stadtplaner: Sacker Architekten, Freiburg; Landschaftsarchitekten: Almut Henne Christian Korn, Freiburg. Bauherren: Holger Koch und Gabriele Engesser, Vogtsburg-Bickensohl)

  • die Vinothek im Weingut Max Müller I in Volkach

(Architekt: Dipl.-Ing. Reinhold Jäcklein, Volkach; Mitarbeiter / Projektarchitekt: Stefan Schlicht; Kunst: Marcel Neundörfer & Biagovesta Bakardijeva, Wien. Bauherren: Rainer und Monika Müller, Volkach)

  • die Vinothek des Staatlichen Hofkellers in Würzburg

(Architekten: archicult gmbh breunig architekten, Zell am Main. Bauherr: Staatlicher Hofkeller, Würzburg)

Ausgewählt wurden die zwölf nominierten Arbeiten aus insgesamt 56 Bewerbungen, die bis Ende 2009 eingetroffen waren. Der Jury gehörten an:

  • Heribert Gröber, Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz
  • Edwin Schrank, Vizepräsident des Deutschen Weinbauverbandes DWV
  • Stefan Musil, Präsident Architektenkammer Rheinland-Pfalz
  • Dr. Simone Sanftenberg, Landessenderdirektorin Südwestrundfunk
  • Eva Schlechtendahl, Vizepräsidentin Architektenkammer Baden-Württemberg, Freiburg
  • Henni Weyrich-Haßdenteufel, Innenarchitektin, Teilnehmerin Architekturpreis Wein 2007
  • Hanno Dutt, Landschaftsarchitekt / Stadtplaner, Saarbrücken

Jürgen Hill, Freier Innenarchitekt und Architekt aus Mainz, hatte die Vorprüfung übernommen.

Die Ausstellung zum Architekturpreis Wein ist noch bis zum 2. Juli 2010 in der Sparkasse Rhein-Haardt, Schütt 11, 67433 Neustadt montags bis freitags von 8:30 Uhr bis 16 Uhr, donnerstags bis 18 Uhr zu sehen. Im Juli und August folgt dann das OrgelART Museum in Windesheim als nächste Station der Wanderausstellung.

Quelle: Pressemeldung Architektenkammer Rheinland-Pfalz

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