Einblicke in "Opposition und Widerstand in der DDR"
Im Herbst 1989 brach das innenpolitisch verkrustete und wirtschaftlich marode System des "realen Sozialismus" der DDR wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Schon zu Beginn des Jahres 1989 hielt eine Vielzahl oppositioneller Aktivitäten SED, Polizei und Staatssicherheit in Atem. So versammelten sich am 15. Januar 1989 etwa 500 Bürger auf dem Marktplatz in Leipzig und forderten Meinungs-, Versammlungs- und Pressefreiheit. In den nächsten Monaten besuchten immer mehr Menschen die montäglichen Friedensgebete in der Leipziger Nikolaikirche und protestierten zu den "Montagsdemonstrationen" friedlich gegen das SED-Regime. Das Jahr 2009 steht nun ganz im Zeichen des 20. Jahrestages der Friedlichen Revolution in der DDR. Vor diesem Hintergrund gastiert vom 21. April bis 6. Mai 2009 die Wanderausstellung "Opposition und Widerstand in der DDR" an der TU Chemnitz. Die Ausstellung wird am 21. April 2009 um 10 Uhr im Foyer des Weinholdbaus, Reichenhainer Straße 70, eröffnet. Das Grußwort hält Prof. Dr. Hans Joachim Veen, Vorsitzender der Stiftung Ettersberg in Weimar, die die Ausstellung initiiert hat. Die Exposition hat montags bis freitags von 7 bis 21.30 Uhr und samstags von 7 bis 14 Uhr für Interessierte geöffnet; der Eintritt ist frei.
Die Ausstellung arbeitet auf insgesamt 21 Tafeln die langen Linien widerständigen und oppositionellen Handelns gegen die SED-Diktatur vom Widerstand gegen die kommunistische Herrschaft in der Sowjetischen Besatzungszone bis zum Zusammenbruchs des DDR- Regimes 1989 heraus. Die Geschichte der DDR-Opposition wird anhand zahlreicher, zum Teil noch unveröffentlichter Fotos und Dokumente dargestellt. Die Ausstellung gliedert sich in vier Phasen: Die 40er und 50er Jahre, die geprägt waren vom Widerstand in den demokratischen Parteien, an Universitäten, Schulen, in Kirchen und illegalen Jugendgruppen mit dem Höhepunkt des Volksaufstandes am 17. Juni 1953. Nach dem Mauerbau kam es zu erheblichen Protesten gegen die Abriegelung der Grenzen und die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft. In den 1960er und 70er Jahren entstanden in Kirchen alternative Subkulturen; Biermann, Havemann und Bahro wurden zu Symbolfiguren der Opposition. In den 80er Jahren wurde der gesellschaftliche Widerstand von immer mehr Menschen getragen und organisierte sich in der Friedens-, Umwelt- und Demokratiebewegung. Die Demonstrationen von Millionen von Menschen im Herbst 1989 sowie die Massenflucht über bundesdeutsche Botschaften in Prag, Warschau und Budapest brachten die SED-Diktatur zum Einsturz. "Aber nicht nur die großen Bewegungen, sondern auch ihre führenden Köpfe, die vielen mutigen Frauen und Männer, unter ihnen sehr viele junge Menschen, die ihre Freiheit oder gar ihr Leben riskierten, werden mit ihren Initiativen, Aktionen und Absichten herausgestellt", berichtet Veen. An vielen persönlichen Beispielen demonstriert die Ausstellung, dass der Geist der Freiheit und der Menschenwürde trotz ständiger und variantenreicher Unterdrückung und Verfolgung durch das SED-Regime nie ausgemerzt werden konnte. "Wir wollen aber nicht nur an die Geschichte erinnern", so Veen und fügt hinzu: "sondern auch das wesentliche Bleibende für heute und morgen hervorheben, das humane, freiheitliche und demokratische Vermächtnis der Dissidenten und Bürgerrechtler in der DDR."
Dass die Ausstellung in Chemnitz stattfindet, ist insbesondere dem Vorstand der Fachgruppe Politikwissenschaft an der Technischen Universität Chemnitz zu verdanken. Finanziell wird das Projekt vom Studentenrat der TU Chemnitz unterstützt.
Quelle: Pressemeldung Technische Universität Chemnitz
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