Die Genese der Restaurierung des Gutenberg-Denkmals
Aus den Ergebnissen der Kartierung werden die zur Sanierung notwendigen Maßnahmen erarbeitet
Ergebnis: Die Schadensaufnahmen zeigen, dass größere Schäden am Lahnmarmor des Sockels behoben werden müssen. An der Bronzestatue zeigen sich Rissbildungen und erhebliche
Korrosionsschäden. Die GWM erarbeitet auf dieser Grundlage die notwendigen Maßnahmen zur Restaurierung des Denkmals.
Pressenotiz 14.05.2008: "Gutenbergdenkmal wird demontiert"
Nachdem Anfang des Jahres vorbereitende Untersuchungen am Sockel und an der Statue vorgenommen worden sind, werden nun weitere metallurgische Untersuchungen durchgeführt, um ein geeignetes Restaurierungskonzept zu entwickeln. Um diese weitergehenden Arbeiten durchführen zu können, ist es notwendig, die Bronzeplatten und die Gutenbergstatue zu demontieren und in die Fachwerkstatt zu verbringen, da erst nach der Demontage des Standbildes alle Schäden im Inneren der Statue untersucht werden können."
Das Gutenbergdenkmal muss aus sicherheitstechnischen Gründen abgebaut und in Abstimmung mit der Landesdenkmalpflege zum Institut für Metallrestaurierung nach Regensburg gebracht werden. Dort werden detaillierte Untersuchungen ausgeführt und ein Sanierungskonzept entwickelt.
Zusätzlich wird die Universität Kaiserslautern, Lehrstuhlinstitut Prof. Dr. Geiß als unabhängige Prüfinstanz eingeschaltet und u.a. videoendoskopische Untersuchungen durchgeführt. Hier wird empfohlen, die sichtbar gefährdete und vernetzte Tragstruktur des Denkmalkörpers nicht weiter durch Transportrisiken zu gefährden. Vorhandene Ermüdungsrisse und Materialaufbrüche könnten sonst durch Resonanzschwingungen eine irreparable Erweiterung erfahren. Das Schadensbild könne zum endgültigen Kollabieren des alten Materialbestandes von Hülle und Tragstruktur führen. Der aus denkmalpflegerischer Sicht zu erhaltende Figurenkorpus sei dann unwiederbringlich verloren.
August 2008
Das Kölner Atelier für Restaurierung (AfR) erhält den Auftrag, ein Konzept für die Restaurierung des Natursteinsockels aus so genanntem "Lahnmarmor" zu erstellen. Zu diesem Zeitpunkt sind das Standbild Gutenbergs sowie die Bronzetafeln für Restaurierungsarbeiten bereits demontiert, so dass auch eine Begutachtung des Natursteinsockels möglich ist.
Schwerpunkt des zu entwickelnden Restaurierungskonzeptes ist der Austausch vergilbter kunstharzgebundener Altkittungen. Hierzu mussten schonende Methoden gefunden werden, die stark haftenden Ergänzungen früherer Restaurierungsmaßnahmen zerstörungsfrei zu entfernen. Dann werden rein mineralisch gebundene Ergänzungsmassen entwickelt, die den optischen Eigenschaften der Natursteinoberfläche angepasst sind. Für eine dauerhafte Haftung der Ergänzungsmassen an der glatten und dichten Natursteinoberfläche sind zudem spezielle Haftbrücken vorgesehen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Entwicklung schonender Reinigungsmethoden der empfindlichen Natursteinoberflächen. Zudem sollen die optischen Eigenschaften und das Schadenspotential verschiedener Antigraffitibeschichtungen untersucht werden.
September 2008
Entnahme und Analyse von Mörtelproben durch das Institut für Steinkonservierung e.V. Einschaltung des Ingenieurbüros Bergmann GmbH, Pfaffenhofen zwecks Ermittlung der Beanspruchung der Plinthe, der Beurteilung der Standsicherheit und der Erarbeitung einer Empfehlung zur Instandsetzung des Gutenbergdenkmals in Punkto Lastabtragung. Anschließend: Entwicklung eines Konstruktionsplanes zur Verankerung der Gutenbergfigur.
Ende 2008/Anfang 2009
Ausarbeitung der Restaurierungskonzeptionen, Ermittlung der Kosten, Förderantrag bei Generaldirektion Kulturelles Erbe (GdKE)
Mai 2009
Die stark korrodierten Eisenanker, die zur Schädigung der Deckplatte geführt haben, werden durch die Fa. Sauer, Mainz ausgebohrt. Aufgrund des Zustandes und geringer Länge können sie nicht mehr die Verankerung der Bronzefigur gewährleisten.
21.07.2009
Der Bewilligungsbescheid der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GdKE) liegt der GWM vor. Gesamtkosten rund 205.000€ (Zuschuss von 75.000 €, davon 50.000€ Bund, 25.000€ Land Rheinland-Pfalz), 130.000€ Eigenmittel GWM, davon ca. 60.000 € für Voruntersuchungen u.ä.). Nach der Erstellung der Leistungsverzeichnisse und Angebotseinholung wird die Fa. Haber & Brandner GmbH - Metallrestaurierung, Regensburg beauftragt.
Aktueller Stand
Das Restaurierungskonzept geht von einer Stabilisierung und Konservierung des Originalbestandes aus. Die Restaurierungstechnologie respektiert den hohen Denkmalwert des Gutenbergdenkmals. Der Substanzerhalt steht im Vordergrund.
- Die statische Untersuchung ist erfolgt.
- Die Bronzeplastik ist statisch selbst tragend konzipiert.
- Rissbildungen in der Plinthe, im Bereich des Auflagers des rechten Standbeins wurden genau untersucht, zur Standsicherheit wurden in die Plinthe passgenaue Ablastungen unter den Füßen eingebaut.
- Die Reinigung der Bronzeoberflächen, Restaurierung und Konservierung der Bronzefigur ist erfolgt.
- Ziel der Reinigungs- und Freilegungsmaßnahmen war die gezielte Abnahme Substanz gefährdender Schadstoffkrusten und Verschmutzungen und die kontrollierte Reinigung und Freilegung der historisch gewachsenen Patina.
- Nach der erfolgten Vorreinigung, dem Entfernen der groben, lose aufliegenden Verschmutzung und der Nassreinigung wurden die Substanz gefährdenden Schadstoffkrusten und Verschmutzungen abgenommen.
- Offene Fugenähte wurden mit einem Bronze gefüllten Polymerkitt geschlossen.
- Unter den auf- bzw. abgeplatzten Plomben wurde das Eisen mechanisch entrostet und antikorrosiv behandelt, die Plomben anschließend mit Polymerkitt ersetzt.
- Die organischen Verschmutzungen an den Reliefs und Inschriften wurden mit Heißdampf und Bürsten entfernt.
- Zur Konservierung wurde Mikrokristallinwachs, mehrfach warm bei ca. 80° Oberflächentemperatur appliziert und mit Baumwolltüchern und weichen Bürsten verdichtet.
- Der Korrosionsabtrag wird dadurch erheblich verlangsamt, die Entfernung der Kalkablagerungen erleichtert. Eventuell aufgebrachte Graffitis und andere Verschmutzungen lassen sich leichter und ohne Verletzung der Patina abreinigen.
- Diese Konservierung ist weitgehend reversibel, muss jedoch in regelmäßigen Abständen auf ihre Wirksamkeit überprüft und gegebenenfalls gereinigt und regeneriert bzw. erneuert werden. Diese Wartung ist im Restaurierungsauftrag enthalten.
Damit Gutenberg die Fastnacht zu Hause feiern kann, wird er am 04.02.2010 wieder aufgestellt.
Die diffizilen Restaurierungsarbeiten am Steinsockel können wegen der Kälteperiode erst im Anschluss bei geeigneter Witterung erfolgen. Die restaurierten Reliefs werden sinnvoller Weise erst nach den Steinrestaurierungsarbeiten montiert.
Objektgeschichte des Gutenberg-Denkmals
BERICHT 08/2008 vom ATELIER FÜR RESTAURIERUNG UND KONSERVIERUNG KÖLN, BRINKMANN & VERBEEK
"Zur Errichtung eines Gutenbergdenkmals auf dem zentral gelegenen Gutenbergplatz wurde 1831 eine Kommission aus je fünf Mitgliedern des "Vereins für Kunst und Literatur" und dem Mainzer Gemeinderat zusammengestellt, die die Bemühungen, dem berühmtesten Sohn der Stadt ein würdiges Denkmal zu errichten, voranbringen sollten. Der Gutenbergplatz ist nicht nur wegen seiner zentralen Lage von Bedeutung, sondern er ist bis in heutige Zeit Schauplatz einer Reihe von für den Mainzer Bürger identitätsstiftenden Festveranstaltungen.
Die Kommission schrieb im Dezember 1831 einen Wettbewerb für ein Denkmal zu Ehren Gutenbergs aus: "Die Ausführung dieses europäischen Denkmals müsse bei aller Achtung und Liebe für mitbürgerliche Künstler einem Bildner aufgetragen werden, der eine europäische Reputation habe.
Durch die Vermittlung des Malers Johann Friedrich Overbecks und vor allem auch durch den ebenfalls als Maler tätigen Franz Eduard Heuß konnte der Kontakt zu dem dänischen Bildhauer Bertel Thorvaldsen aufgebaut werden, der schließlich im August 1832 in die Erstellung eines Modells für das Gutenbergdenkmal einwilligte. Das Gipsmodell für das Standbild und einen dazugehörigen Sockel fertigte Thorvaldsen im Sommer 1833 (siehe Abb. 1). Das Modell zeigt Gutenberg stehend mit Hosen und einem langen Mantel bekleidet. Gutenberg hält sein wichtigstes Druckwerk - die Gutenberg-Bibel - in seinem linken Arm vor der Brust. In seiner Linken präsentiert er ein weiteres bedeutendes persönliches Attribut - die von ihm erfundenen beweglichen Lettern. Die weitere Ausführung des Denkmals vertraut Thorvaldsen seinem Schüler Hermann Wilhelm Bissen an, der das Gußmodell 1834 vollendete.
Mit dem Bronzeguss des Standbildes beauftragte die Kommission die angesehene Werkstatt Charles Crozatier, Paris. Die fertigen Bronzen - das Standbild Gutenbergs und eine Reliefplatte mit der Darstellung der "Erfindung der Druckpresse" trafen im August 1836 in Mainz ein. Im Juli 1837 konnte der Grundstein für den Sockel gelegt werden. Der Sockel wurde nach einem Entwurf des Mainzer Architekten Franz Xaver Geier aus dem sogenannten "Nassauer Marmor" gefertigt - ein unter dem Handelsnamen Bongard bei Villmar an der Lahn gebrochenem Kalkstein. Für die Vorder- und Rückseite des Gutenbergdenkmals werden bronzene Schrifttafeln gefertigt. Die Schrifttafel von der Vorderseite des Denkmals zeigt die lateinische Inschrift:
JOHANNEM GENSFLEISCH / DE GUTENBERG / PATRICIUM MOGUNTINUM / AERE PER TOTAM EUROPAM COLLATO / POSERUNT CIVES / MDCCCXXXVII.
(Johann Gensfleisch zum Gutenberg, Patrizier Mainz.)
Von den in ganz Europa gesammelten Beiträgen haben ihm die Bürger von Mainz dieses Denkmal errichtet. Eine kleine Bronzetafel mit der Übersetzung wurde 1983 montiert.
Die Inschrift auf der Rückseite lautet:
ARTEM QUAE GRAECOS LATUIT / LATUITQUE LATINOS / GERMANI SOLLERS EXTUDIT INGENIUM / NUNC QUIDQUID VETERES SAPIUNT / SAPIUNTQUE RECENTES / NON SIBI SED POPULIS OMNIBUS / ID SAPIUNT.
("Die Kunst, welche den Griechen verborgen blieb und verborgen bleibt den Römern, brachte eines Deutschen erfinderischer Geist an das Licht. Alles, was die Alten und Neuen erdacht haben und wissen, haben sie jetzt nicht mehr für sich, sondern für alle Völker erdacht".)
Die festliche Einweihung des Denkmals erfolgte nach einigen technischen Schwierigkeiten bei der Herstellung des Sockels schließlich im August 1837.
Quelle: Pressemeldung Stadt Mainz
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