Blüten wie aus Sand entsprossen

15.09.2010 | Münster
LWL-Industriemuseum in Petershagen zeigt Estnisches Glas

Rauhe Blütengebilde, die wie aus Sand entsprossen scheinen, daneben elegant geschwungene Plastiken aus optischem Glas - die Glaskunst der baltischen Republik Estland ist vielfältig. Dieses reiche Kunstschaffen will der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in einer neuen Ausstellung in seinem Industriemuseum Glashütte Gernheim bekannter machen. Vom 26. September 2010 bis zum 27. März 2011 sind dort Glasobjekte und Installationen von 20 zeitgenössischen Künstlern des Landes zu sehen. Zur Eröffnung am Sonntag, 26. September, um 11 Uhr sind Interessierte herzlich eingeladen.

Einige der Künstler wie Maare Saare oder Kristiina Uslar haben bereits internationales Renommee erworben. Aber auch junge, noch unbekannte Künstler, die am Beginn ihrer Karriere stehen, wurden in die Auswahl aufgenommen. Auf diese Weise entstand ein repräsentativer Überblick über das aktuelle Kunstschaffen mit dem Material Glas in Estland.

"An der estnischen Glaskunst fällt vor allem die gestalterische Präzision auf. Große Gesten oder Attitüden sind ihr fremd, eher erscheint sie archaisch und klar umrissen in Form und Konzeption", erläutert Dr. Katrin Holthaus vom LWL-Industriemuseum. Bei der Gestaltung dominierten jahr-zehntelang die sogenannten "kalten Techniken" Gravur und Schliff. Das Glas selbst wurde impor-tiert und in estnischen Glasfabriken lediglich bearbeitet.

Hintergrund

Die Möglichkeiten, künstlerisch mit Glas zu arbeiten, waren bis zum Ende der Sowjetzeit 1991 stark beschränkt: Die Gestaltung unterlag inhaltlichen Restriktionen, und viele Techniken konnten nicht eingesetzt werden, weil Öfen und Material fehlten. "Wollten Künstler ihre Entwürfe realisieren oder selbst Glas machen, mussten sie die Hilfe einer ukrainischen Industrieglashütte in Anspruch nehmen", erklärt die Kunsthistorikerin. Nach 1991 bauten viele Künstler dann Studioöfen, um selbst Glas zu machen, so dass inzwischen "heiße Techniken" überwiegen. Pionierinnen auf dem Gebiet sind Viivi-Ann Keerdo und Kai Koppel, die ihren Ofen zunächst in einem privaten Atelier im Verborgenen betrieben hatten. An diese Tradition knüpfte in den 1990er Jahren Kati Kerstna an, die einen Tonofen zur Glasherstellung rekonstruierte. Arbeiten dieser drei Künstlerinnen sind in Gernheim ausgestellt.

Eine systematische Ausbildung im Bereich Glas bietet heute die Kunstakademie in Tallinn. Sie wird gegenwärtig von Maare Saare, einer der bekanntesten estnischen Glaskünstlerinnen, geleitet, die ebenfalls mit einigen Werken in der aktuellen Gernheimer Ausstellung vertreten ist. Viele Künstler nutzen jedoch Aufenthalte in ausländischen Hütten dazu, ihr Können zu erweitern. Katrin Holthaus: "Diese Erfahrungen sind sicher ein Grund für den eigenartigen Charakter der estnischen Glaskunst: Sie zeugt von großer Individualität und Eigenständigkeit, ist aber andererseits fest in der Historie verwurzelt."

In der Ausstellung sind vertreten: Merle Bukovec, Liisi Junolainen, Eeva Käsper, Viivi-Ann Keerdo, Kati Kerstna, Kai Kiudsoo-Värv, Eve Koha, Kai Koppel, Ivo Lill, Toomas Mäelt, Kairi Orgusaar, Rait Prääts, Toomas Riisalu, Peeter Rudaš, Mare Saare, Kai Saarepuu, Maret Sarapu, Tiina Sarapu, Anneli Paloveer, Kristiina Uslar

Estnisches Glas

LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim

26.9.2010 bis 27.3.2011, Eröffnung: So, 26.9., 11 Uhr

Gernheim 12, 32469 Petershagen

Geöffnet Di - So 10 - 18 Uhr

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Quelle: Pressemeldung Landschaftsverband Westfalen-Lippe

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