Ausstellung zu jüdischen Mathematikern an der TU Berlin

04.02.2009 | Berlin
Am 9. Februar 2009 wird die Wanderausstellung "Jüdische Mathematiker in der deutschsprachigen akademischen Kultur" an der TU Berlin feierlich eröffnet und bis 27. Februar 2009 im TU-Hauptgebäude gezeigt.

Zu einem Presserundgang vorab sowie der anschließenden Eröffnungszeremonie mit Empfang möchten wir Sie herzlich einladen:

Wanderausstellung "Jüdische Mathematiker in der deutschsprachigen akademischen Kultur" Zeit: Montag, 9. Februar 2009, 15.00 Uhr (Presserundgang),

16.00 Uhr (Ausstellungseröffnung)

Ort: TU Berlin, Hauptgebäude, Lichthof, Straße des 17. Juni 135, 10623 Berlin

Die Ausstellung wird von Dr. Klaus Kinkel, Vorsitzender der Deutschen Telekom Stiftung, von Prof. Dr. Kurt Kutzler, Präsident der TU Berlin, sowie Prof. Dr. Andreas Nachama, Geschäftsführender Direktor der Stiftung Topographie des Terrors, eröffnet. Die Wanderausstellung aus dem Jahr der Mathematik (2008) führt in neun Stationen die Tätigkeit jüdischer Mathematiker in Deutschland von der rechtlichen und politischen Gleichstellung jüdischer Bürger im 19. Jahrhundert bis zur Verfolgung und Vertreibung im Nationalsozialismus vor Augen. Sie stellt dar, wie im deutschen Kaiserreich und in der Weimarer Republik jüdische Mathematiker in allen Bereichen der mathematischen Kultur zunehmend eine tragende Rolle spielten, und sie erinnert an Emigration, Flucht und Ermordung nach 1933.

"Es ist mir wichtig, dass die Ausstellung an der TU Berlin gezeigt wird", sagt Prof. Kurt Kutzler, Präsident der TU Berlin. Denn an den zwei Berliner Hochschulen der Vorkriegszeit haben jüdische Mathematiker gewirkt, die während des Dritten Reichs von den Nationalsozialisten vertrieben, verfolgt und ermordet wurden. Das gilt es nie zu vergessen."

Während sich in den 57 Jahren von 1845 bis 1902 nur acht jüdische Mathematiker an der Berliner Universität habilitiert hatten, habilitierten sich in den wenigen Jahren von 1919 bis 1932 insgesamt neun jüdische Mathematiker in Berlin - ein Zeichen für die vergleichsweise offenen und liberalen Jahre der Weimarer Republik. Unter diesen neun Habilitanden befanden sich auch zwei ungarische Emigranten, Gabor Szegö und Janos - später John - von Neumann (1903-1957). Letzterer gilt als einer der Väter des Computers. Alfred Brauer (1894-1985) war der letzte mathematische Habilitand und der letzte jüdische Mathematiker, der an der Berliner Universität noch zum Privatdozenten ernannt wurde, bevor der NS-Terror begann. Von den neun Privatdozenten mussten acht ab Frühjahr 1933 emigrieren. Robert Remak kam in einem Transportzug vom KZ Westerbork (Niederlande) in das Vernichtungslager Auschwitz ums Leben.

Eine erste Fassung der Ausstellung "Jüdische Mathematiker in der deutschsprachigen akademischen Kultur" war bereits im September 2006 zur Jahrestagung der Deutschen Mathematiker-Vereinigung im Poppelsdorfer Schloss in Bonn gezeigt worden. Die Resonanz war so groß, dass bereits im März 2007 ein zweiter Aufbau der Ausstellung im Foyer der Humboldt-Universität zu Berlin erfolgte, diesmal während der gemeinsamen Tagung der Deutschen Mathematiker-Vereinigung und der Gesellschaft für Didaktik der Mathematik. Sowohl die Bonner als auch die Berliner Präsentation wurde von der Deutschen Telekom Stiftung finanziell unterstützt. Im Sommer 2007 entschloss sich die Stiftung, die Ausstellung zum Jahr der Mathematik 2008 inhaltlich erweitern und äußerlich neu gestalten zu lassen. Die Ausstellung 2009 an der TU Berlin ist eine Initiative des scheidenden DMV-Präsidenten und Mathematik-Professors an der TU Berlin Günter M. Ziegler.

Die Inhalte der Ausstellung wurden von einem überregionalen Team, das aus Wissenschaftshistorikern besteht, der Arbeitsgruppe Wissenschaftsgeschichte am Historischen Seminar der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt/Main und vom Jüdischen Museum Frankfurt/Main erarbeitet. "Sie schließt eine wichtige Lücke in der Geschichte der Mathematik des 19. und 20. Jahrhunderts", resümiert Prof. Dr. Moritz Epple (Universität Frankfurt), wissenschaftlicher Leiter des Ausstellungsprojekts.

Quelle: Pressemeldung Technische Universität Berlin

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