Ausstellung zeigt 19 neue Synagogen

19.03.2009 | Mainz
Gebauter Aufbruch

19 Neue Synagogen stehen im Mittelpunkt der aktuellen Ausstellung des zb:zentrumbaukultur, die heute in der Kaiserstraße eröffnet wurde. Seit Mitte der 90er Jahre werden in nennenswertem Umfang wieder Synagogen in Deutschland gebaut. Das zb:zentrumbaukultur trägt nun erstmals die wichtigsten baulichen Zeugnisse eines aufblühenden jüdischen Gemeindelebens zusammen.

Dass erst 2009 in Deutschland zum aller ersten Mal eine solche Ausstellung möglich ist, sei symptomatisch für die Entwicklung der Gemeinden nach dem zweiten Weltkrieg, so Dr. Peter Waldmann, Vorsitzender des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Rheinland-Pfalz, in seiner Einführungsrede. Zwei Generationen und die starke Zuwanderung aus dem Osten nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion habe es gebraucht, bis mit den vielen Neubauten nun auch signalisiert werde, dass man bleiben will. In seinem Beitrag "Die soziokulturelle Entwicklung der Jüdischen Gemeinden in Rheinland-Pfalz nach 1945" blickte Waldmann über die Schoa hinaus bis ins 19. Jahrhundert zurück, zeigte aber auch die Entwicklungslinien bis in die jüngste Zeit auf. Die Frage nach jüdischer Tradition und Identität in Deutschland, so seine These, werde aktuell neu beantwortet. Der Bauboom bei den Synagogen sei sichtbares Zeichen dieser Entwicklung.

Hermann-Josef Ehrenberg, der als Vorstandsmitglied der Architektenkammer Rheinland-Pfalz zur Begrüßung sprach, schlug den Bogen über die Synagogen hinaus zur sichtbaren Präsenz religiösen Lebens in unserer Gesellschaft überhaupt. Die grundgesetzlich garantierte Religionsfreiheit berge eben auch die gesellschaftliche, städtebauliche und architektonische Aufgabe, angemessene Orte für Gottesdienst und Seelsorge in Stadt und Land zu ermöglichen und zu gestalten. Die Ausstellung sah Ehrenberg als einen Diskussionsbeitrag zur Frage, wie die Vielfalt religiöser Werte in der deutschen Gegenwart verfasst ist.

Anlass für die Synagogenausstellung des zb:zentrumbaukultur ist der im vergangenen Herbst begonnene Neubau in Mainz, dessen gestalterische Grundlagen schon 1999 in einem Architektenwettbewerb gelegt wurden. Er steht in einer eindrucksvollen Reihe mit Beispielen aus Dresden, München, Schwerin oder Wuppertal, um nur einige der gezeigten Bauten zu nennen. Die meisten Neubauten und Umnutzungen schließen die seit den Pogromen der Nazizeit klaffende Lücke zerstörter Vorgängerbauten, wenige entstanden völlig neu. Stellvertretend für diese steht die 2007 als Umbau eines ehemaligen Umspannwerkes entstandene Chabad Lubawitch in Berlin. Überhaupt geht es nicht nur um Neubauten, sondern auch um die Umnutzung sowohl christlicher Kirchen als auch profaner Bauten zu Synagogen und Gemeindezentren, die zuweilen direkt am Ort ihrer vernichteten Vorgängerbauten entstanden sind.

Insgesamt drei rheinland-pfälzische Beispiele werden gezeigt, zwei davon sind gerade im Bau:

* neben der Mainzer Synagoge am Synagogenplatz, Architekt ist Manuel Herz, Köln und Basel, die breiten Raum in der Ausstellung einnimmt und als einzige auch mit einem Modell vertreten ist, entsteht gerade

* in Speyer eine Synagoge als Umbau der aufgelassenen St. Guido-Kirche. Architekt ist Prof. Alfred Jacoby, Frankfurt, dessen Bauten in Aachen, Kassel und Chemnitz ebenfalls gezeigt werden und der am 14. April im zb davon berichten wird.

* Als einzige ältere der neuen Synagogen ist der schon 1957 fertig gestellte Trierer Bau des in den 70er Jahren verstorbenen Architekten Alfons Leitl in der Ausstellung vertreten.

Quelle: Pressemeldung Webworker GmbH

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