Ausstellung im Deutschen Guggenheim: "Freisteller"
Seit 1905 wird der Villa Romana-Preis an herausragende junge Künstler verliehen. Sie erhalten ein Stipendium und beziehen für zehn Monate ein Wohn-Atelier in dem Florentiner Künstlerhaus. Der Villa Romana-Preis ist nicht nur der älteste deutsche Kunstpreis, sondern auch das am längsten bestehende kulturelle Engagement der Deutschen Bank. Mit der Schau im Deutsche Guggenheim findet diese Kooperation einen neuen Höhepunkt und setzt zudem die Reihe der von der Bank konzipierten Ausstellungen in dem Joint Venture mit der Solomon R. Guggenheim-Stiftung fort.
Kuratiert wurde "Freisteller" von Angelika Stepken, der Leiterin der Villa Romana. Die Auswahl der Preisträger trafen für 2008 die in Berlin lebende Künstlerin Ayse Erkmen und die Leipziger Kunstwissenschaftlerin Beatrice von Bismarck.
Der Begriff "Freisteller" bezeichnet in der Fotografie, Drucktechnik und Computergrafik ein Motiv, das vom Hintergrund und seinem Kontext gelöst wird und so u.a. in andere Bildzusammenhänge eingefügt werden kann. "Freisteller" ist auch der Titel der aktuellen Ausstellung im Deutsche Guggenheim, die die Villa Romana-Preisträger 2008 vorstellt - vier junge Künstler, die unterschiedliche Medien nutzen, unterschiedliche Biographien und Nationalitäten aufweisen. Auf den ersten Blick vereint Dani Gal, Julia Schmidt, Asli Sungu und Clemens von Wedemeyer so lediglich, dass sie in Deutschland leben und arbeiten und nun gemeinsam - im neuen kulturellen und geografischen Kontext - ein Stipendium in dem renommierten Künstlerhaus auf den Hügeln über Florenz verbringen.
Zugleich verweist der Ausstellungstitel aber auf verbindende Interessen und Strategien der Preisträger: Alle beteiligten Künstler lösen ihre Motive und Themen aus dem ursprünglichen Kontext, "stellen sie frei" und erschließen so neue, diskursive Zusammenhänge. Dani Gal verbindet Einflüsse der Populärkultur mit historischer Recherche, Julia Schmidt arbeitet mit vorgefundenen Bildern aus Magazinen oder dem Internet, die sie auf ihren Gemälden isoliert und fragmentarisiert. Asli Sungu untersucht in ihren Videos alltägliche Handlungen, um aufzuzeigen, wie unsere Vorstellungen von Identität, von "Richtig" und "Falsch" gesellschaftlich determiniert sind. In seinen Filmen verbindet Clemens von Wedemeyer Elemente der politischen Dokumentation mit Fiktion, und macht so die Wechselwirkungen zwischen realen gesellschaftlichen Situationen und medialer Darstellung sichtbar.
Dementsprechend bricht auch das räumliche Konzept der Schau mit der hermetischen und schützenden Struktur des "White Cube". Die Fensterfront des Deutsche Guggenheim wird freigelegt, während in die Halle hinein gebaute Stellwände und Plattformen die Funktion von "Platzhaltern" für die Kunst übernehmen. In dieser temporären Ausstellungsarchitektur geben die vorgestellten Positionen zugleich einen Einblick in das individuelle Schaffen der Preisträger und eröffnen exemplarisch ein breites Spektrum an Fragen, die heute in der aktuellen Kunst verhandelt werden: Medien- und Institutionskritik, Migration, die Möglichkeiten kritische und politische Haltungen zu formulieren.
Die Ausstellung "Freisteller" dokumentiert, wie sich die traditionsreiche Institution Villa Romana abseits der großen Metropolen als kreativer Think-Tank der Gegenwartskunst und Ort des interkulturellen Austauschs profiliert. Dass die Preisträger der Villa Romana nun erstmals im Deutsche Guggenheim präsentiert werden, setzt Zeichen. Denn durch die Vernetzung beider Häuser wird ein öffentlichkeitswirksames Forum geschaffen, das die vitale, international agierende Szene in Deutschland authentisch widerspiegelt.
Anlässlich der aktuellen Ausstellung erscheint in deutsch/englisch und deutsch/italienisch ein Katalog mit Texten und Gesprächen mit den Künstlern von Clemens Krümmel, Bert Rebhandl, Angelika Stepken und René Zechlin.in einem Design von atelier september, Karlsruhe, zum Preis von 29,-Euro.
Als Edition No. 43/1-4 entstanden zur Ausstellung: No. 43/1 Dani Gal: "i.e.", 2008; No. 43/2 Julia Schmidt: "Untitled (stripper)", 2008; No. 43/3 Asli Sungu: "Almost", 2008 und Clemens von Wedemeyer: "Der überflüssigen Bevölkerung", 2008. Alle Editionen exklusiv erhältlich im MuseumsShop des Deutsche Guggenheim, Preis auf Anfrage, (030) 20 20 93 -15 / -16.
Die Ausstellung wird von einem umfassenden Rahmenprogramm mit Künstlergesprächen, Vorträgen, und Kinderprogramm begleitet. Kostenlose Führungen werden täglich um 18 Uhr angeboten. Die bekannten Lunch Lectures mittwochs um 13 Uhr sowie die sonntäglichen Themenführungen um 11.30 Uhr runden das Rahmenprogramm ab.
Anlässlich der Villa Romana-Auszeichnung als "Ausgewählter Ort Im Land der Ideen" wird Angelika Stepken, Leiterin des Künstlerhauses und Kuratorin der Schau, am 30. Mai durch die Ausstellung führen.
Komplettes Rahmenprogramm: http://www.deutsche-guggenheim.de/
Quelle: Pressemeldung Deutsche Bank AG
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